February 26, 2009

Oscars 2009

Die FAZ lobt die Oscar Verleihung 2009 für ihren “überzeugenden Moderator” und die “beschwingte Inszenierung”. Mir selbst rang das leider nur ein unverständliches Schmunzeln ab - seit wann sind die Artikel der FAZ denn ironisch?

Ich bin tapfer aufgeblieben und habe keine Mühen gescheut, mir die Verleihung in London ohne Fernseher via Kamera aus Deutschland übertragen zu lassen. Um 5 Uhr morgens, als ich die Augen schon fast nicht mehr aufhalten konnte, war es dann endlich vorbei - Gott sei Dank! Die Show war dieses Jahr einfach nur langweilig, obwohl sie sich so viel Mühe gab, gerade das nicht zu sein. Dies war allerdings deutlich zu spüren und auch ein in seinen Filmen meist so charismatischer Hugh Jackman konnte als Broadway-Experte die desaströse Show nicht retten. Wo beim Anblick des Wolverine-Trailers mein Frauenherz höher schlug führten die angestrengten Tanz- und Gesangseinlagen höchstens zu einem Zucken der Augenbraue.

Der Abend hatte keine nachvollziehbare Struktur, man purzelte von einem Bühnenarrangement ins nächste und fiel dabei fast auf die Füße der Stars, die ohne Absetzung von der Bühne direkt an deren Rand platziert wurden. Bei so viel Showeinlagen vergaß man schon fast, dass man sich nicht im Musical-Theater befand, sondern es hier ja um Filme gehen sollte. Die Leinwand wurde nämlich leider nur viel zu selten genutzt, um einige Ausschnitte dieser zu präsentieren. Hatte man den entsprechenden Film also nicht gesehen, gab es kaum eine Möglichkeit, sich eine Vorstellung von der entsprechend ausgezeichneten Leistung zu machen. Man wärmte stattdessen lieber ein paar Publikumslieblinge wie Whoopy Goldberg auf, die jeweils einen der nominierten Schauspieler vorstellen durften und dabei mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rückten als die Nominierten selbst.

Mein Fazit fällt also denkbar schlecht aus. Der Versuch der Filmindustrie, durch einen Mix aus neuen, übertriebenen Showeinlagen und altbewährten Kassengaranten die schwindenden Zuschauer wieder zurückzugewinnen, führte zu einer Überbetonung der (peinlichen) Show und rückte die Filme, die ja im Zentrum stehen sollten, in den Hintergrund.

Es bleibt ein schaler Geschmack zurück, der die Frage aufwirft, ob die Oscars auf diese Weise ihr gefürchtetes Ende nicht selbst einläuten und ob ich verrückt gewesen bin, mich davon um meine gesegnete Nachtruhe bringen zu lassen.

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